Bertolt Brechts Lehrstücke: Wirtschaft durch Kunst erfahren

Basierend auf dem Kernstück der Brechtschen Lehrstückkonzeption, dass Theater ein Prozess der Selbst-Belehrung, der Selbst-Erfahrung von Wirklichkeit ist, initiieren das Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und das Pumpenhaus Münster gemeinsam mit der Wirtschaftswissenschaftlerin und Regisseurin Judith Wilske „KINDER ZU UNTERNEHMERN!“.

Bei Brecht waren die Lehrstücke als theatrale Forschungslabore angelegt, die es den Spielern ermöglichten, sich selbst – und nicht etwa ein Publikum!- über wirtschaftlich-ökonomische Frage- und Problemstellungen der eigenen Zeit in Kenntnis zu setzen und dazu Stellung zu beziehen. Judith Wilske möchte diesen Aspekt der Selbst-Belehrung, der Selbst-Erfahrung in der Lehrstückkonzeption für das heutige Theater wieder aufgreifen, um mit theatralen Mitteln eine ökonomische Entwicklung unserer Zeit zu reflektieren.

Unternehmung als schöpferischer Akt
Viele klein- und mittelständische Unternehmen sterben mangels Nachfolge aus oder werden aufgekauft. Die verbleibenden Großkonzerne werden nicht mehr vom klassischen Unternehmer, sondern von professionellen Managern geführt. Erich Gutenberg, der Begründer der deutschen Betriebswirtschaftslehre, schrieb 1929: „Die Unternehmung entsteht durch den schöpferischen Akt des Menschen, der die Dinge, die wir wirtschaftlich als Güter bezeichnen, bindet und bewegt.“

Folgt man Erich Gutenberg, so hat das Ersetzen des Unternehmers durch Manager das Aussterben des schöpferischen Aktes zur Folge. Es wird, ganz grundlegend, nichts mehr geschöpft, nichts mehr unternommen. Die gesamtgesellschaftliche Debatte um das Aussterben der Arbeit zum Beispiel reflektiert diese Entwicklung. Unternehmer schaffen Arbeit, Manager rationalisieren Arbeit weg. Die Gesellschaft richtet sich ein, diesen Mangel zu verwalten.

KINDER ZU UNTERNEHMERN! Neue Unternehmer braucht das Land!
Wenn die Wirtschaft keine neuen Unternehmer mehr hervorbringt, sondern nur noch Manager und Verwalter, dann kann diese Leerstelle neu und produktiv gefüllt werden. KINDER ZU UNTERNEHMERN! lädt Kinder ein, eigene Unternehmensideen zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Im Verlauf dieses Prozesses lernen die Kinder anhand ihrer eigenen Idee und im Austausch untereinander, was es heißt, unternehmerisch tätig zu sein. Indem die Kinder selbst handeln, stossen sie selbst auf essentielle Fragen:

Wenn ich zum Beispiel eine Gallerie mit selbstgemalten Bildern eröffne und meine Bilder verkaufe, muss ich dann meinen Assistenten etwas abgeben? Es sind doch meine Bilder! Ist ein Waffenhändler ein schlechter Mensch?

Auch die Beantwortung dieser Fragen geschieht nicht durch Erwachsene. Es entsteht ein Dialog der Kinder untereinander, in dessen Verlauf sie die unterschiedlichen Aspekte solcher Themen entdecken, diskutieren und abwägen. So entwickelt jedes Kind seine eigene Unternehmerpersönlichkeit.

 


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e « Lehrstück » de Bertolt Brecht : vivre l’économie à travers l’expérience artistique
Dans le « Lehrstück », fondateur du théâtre didactique, Brecht part de l’idée que enseignement et apprentissage vont de paires, par le simple fait d’être impliqué par quelque chose. Les pièces de Brecht étaient conçues comme un laboratoire de recherche. Elles permettaient aux acteurs de se rendre compte – et non pas d’instruire le public – des questions et des problématiques économiques de l’époque et de se positionner par rapport à elles. Judith Wilske réutilise cet aspect dans sa pratique théâtrale actuelle et propose, par des moyens théâtraux, une réflexion sur le développement économique de notre temps.

L’entreprise : un acte créateur
Par manque de successeurs, beaucoup de PME disparaissent ou sont vendues. Les grands Trusts ne sont plus gérés par un entrepreneur classique mais par des managers professionnels. Erich Gutenberg, économiste et gestionnaire d’entreprise allemand, écrit en 1929 : « l’entreprise naît d’un acte créateur de l’homme, qui lie et bouge les choses que nous appelons en terme économique les biens »

Le pays a besoin de nouveaux entrepreneurs !
Si le système économique n’engendre plus de nouveaux entrepreneurs, mais uniquement des managers et des administrateurs, il y aura un vide. KINDER ZU UNTERNEHMERN ! invite les enfants à développer leurs propres idées d’entreprise et à les mettre en œuvre. Tout au long de ce processus, les enfants apprennent par leurs propres idées et par l’échange avec les autres enfants, ce que veut dire de mener une activité d’entrepreneur. Du fait que les initiatives viennent des enfants, qu’ils agissent seuls, ils tombent d’eux-mêmes sur les questions essentielles :

 « Si par exemple, j’ouvre une galerie avec mes dessins et que je vends mes dessins, est-ce que je dois alors donner quelque chose à mes assistants ? Mais ce sont mes dessins à moi, non? Est-ce qu’un entrepreneur d’armes est un mauvais gars ? »

Ce n’est pas aux adultes de leur fournir des réponses. Un dialogue se développe entre les enfants et ils découvrent peu à peu les différents aspects de la thématique. Ils en discutent et commencent à peser le pour et le contre, ainsi chaque enfant développe sa propre personnalité d’entrepreneur.


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